Fachgruppe Barrierefreiheit

Barrierefreie Mediation, eine Tautologie? Soll nicht jede Mediation barrierefrei sein oder dem Abbau von Barrieren dienen?

Diese Frage haben wir mit ja, aber… beantwortet. Selbstverständlich ist es Ziel jeder Mediation, eine Gesprächskultur zu schaffen, die es jedem Medianden ermöglicht, dem Prozess barrierefrei zu folgen.

Spuren im Sand

Die Arbeitsgruppe will über diesen allgemeinen Ansatz für Mediation hinausgehen und sich speziell Themen widmen, die den Begriff Barrierefreiheit im allgemeinen Sprachgebrauch zum Inhalt haben.

Danach bedeutet Barrierefreiheit Zugänglichkeit und Benutzbarkeit von Gebäuden und Informationen für alle Menschen, egal ob sie im Rollstuhl sitzen, ob es sich um Mütter mit Kleinkindern oder Personen nicht deutscher Muttersprache handelt, ob es blinde, gehörlose, psychisch behinderte oder alte Menschen sind. Wir widmen uns in der Arbeitsgruppe dem engeren Begriff der Barrierefreiheit für behinderte Menschen, ohne die Wichtigkeit des weiten Begriffes in Frage stellen zu wollen.

Was sind unsere Handlungsfelder?

  • Wir vermitteln in Konflikten zwischen Wohnungssuchen und Vermietern, die sich dagegen wehren, ihre Wohnung einem blinden Menschen mit Hund zu geben, die nicht bereit sind, ihre Wohnung für einen Rollstuhlfahrer umzubauen; die den psychisch Behinderten aufgrund von Vorurteilen ablehnen.
  • Wir helfen bei der Realisierung von barrierefreien Bauten, wenn es zwischen Bauherrn und Bauämtern keine Bereitschaft gibt, aufeinander zuzugehen oder konstruktive Lösungen zu entwickeln.
  • Wir möchten Sprachbrücke sein zwischen Eltern behinderter Kinder und Schulleiterinnen und Schulleitern, die auf den Prozess der Inklusion noch nicht vorbereitet sind und sich nicht vorstellen können, ein behindertes Kind zu beschulen.
  • Wir wollen zwischen Förderschullehrern und Lehrern allgemeinbildener Schulen den Gesprächsprozess ermöglichen, damit Ängste vor Inklusion abgebaut werden können.
  • Wir möchten Sprachmittler zwischen dem selbstbestimmten Menschen mit geistiger Behinderung und Ämtern sein, die seine Selbstbestimmtheit nicht erkennen können, aber auch zwischen Menschen mit geistiger Behinderung, die Konflikte haben, vermitteln.
  • Wir möchten behinderten Menschen helfen, die sich Organisationen oft hilflos ausgeliefert fühlen und wollen gleichzeitig zwischen den Institutionen und Organisationen vermitteln, wenn dies gewünscht wird.
  • Uns liegt ebenso am Herzen, dass behinderte Menschen Gehör finden, wenn es um die selbstbestimmte Organisation von Reisen geht, sodass wir auch für Mediationen im Tourismusbereich zur Verfügung stehen.
  • Neben diesen durch körperliche und seelische Beeinträchtigungen hervorgerufenen Barrieren, haben wir auch zum Ziel, Mittler für Menschen zu sein, denen aufgrund ihres noch nicht so langen Lebens in Deutschland und eines möglichen Migrantenhintergrundes die notwendigen deutschen Worte im Umgang mit Behörden fehlen. Erschwerend wirkt sich für diese Menschen das Zusammentreffen von Sprach- mit sonstigen körperlichen Barrieren aus.

Wir wollen...

  • Barrieren dort abbauen bzw. verhindern, wo es zumutbar ist,
  • realisierbare Win-Win-Situationen transparent und umsetzbar machen,
  • Verständnisaufbau für alle Betroffenen fördern, um somit die Akzeptanz zu erhöhen für die Beibehaltung von Barrieren, deren Beseitigung nicht zumutbar ist,
  • eine menschenwürdige Gesprächskultur schaffen, die ‚gewinnen’ bzw. ‚verlieren’ in den Hintergrund einer gemeinsam belebten Umwelt stellt
  • durch den regelmäßigen Erfahrungsaustausch die Qualität der Mediation in diesem Umfeld sicherstellen bzw. kontinuierlich verbessern.
  • nicht nur den Einzelfall in den Blick nehmen, sondern auch zwischen Verbänden, Organisationen für Rahmenbedingungen sorgen, die Barrieren zu überwinden helfen und Zielvereinbarungsprozesse unterstützen.
  • unsere Mediations- und Moderationskompetenzen dort einsetzen, wo sie gewünscht und nachgefragt werden.

Damit identifizieren wir uns mit den Zielen, die die Kollegen in Österreich für sich als Fachgruppe Barrierefreiheit definiert haben.

Wir sind...

eine Gruppe von Mediatorinnen und Mediatoren, die viele fachliche Kompetenzen abdecken, in dem wir als Dipl- Ingenieur im Baubereich, als Arbeits- und Organisati-onspsychologe sowie Berufspädagoge, als Juristen im öffentlichen Bereich und als Anwalt, als Personalentwickler/in oder in Behindertenbeiräten arbeiten.

Uns verbindet neben dem Hintergrund als Mediatoren, dass wir uns aus eigener oder beruflicher Betroffenheit dem Thema Barrierefreiheit verpflichtet fühlen und den Gedanken der barrierefreien Mediation weitertragen wollen. Dazu öffnen wir gerne unsere Fachgruppe für Interessierte innerhalb und außerhalb von NRW, die durch ihre Profession und ihr Interesse unsere Fachgruppe erweitern und bereichern möchten.

  • M.A. Thomas Neu, Arbeits- und Organisationspsychologe, Berufspädagoge, FH-Dozent Disability Studies / Inklusion
  • Dipl Ing. Britta Wenders, Vermessungswesen, Grundstücksentwicklungen, individuelle Bauberatungen
  • Dipl.-Juristin Ute Dassow, freiberuflich beratend tätig
  • Dipl. Ing. Brigitte Geenen, Hochbau
  • Juristin Annegret Frankewitsch, tätig in einer obersten Landesbehörde
  • Dr. rer. nat. Carmen Poszich-Buscher, Promovierte Naturwissenschaftlerin / Biologin und Personalenentwicklerin
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